Um Kubas Landwirtschaft und damit die Nahrungsmittelproduktion in Schwung zu bringen, hebt die kubanische Regierung Beschränkungen für die Größe und die Dauer von Landzuweisungen auf. Die Maßnahme ist Teil des im Juni verabschiedeten 176-Punkte-Reformpakets zum Umbau der Wirtschaft.
Landwirtschaftsminister Ydael Pérez Brito erklärte, dass die Beschränkungen hinsichtlich der Größe und der Dauer von zur Nutzung zugeteilten Flächen aufgehoben werden. Die Fläche wird künftig anhand des eingereichten Produktionsprojekts und der Prioritäten des Landes festgelegt. Wesentliche Voraussetzung ist, dass jeder, der neues Land beantragt, sein bestehendes Land bewirtschaftet.
Alle Wirtschaftsakteure können Land beantragen: Selbstständige, Kleinst-, kleine und mittlere Unternehmen (KKMU), Joint Ventures und ausländische Investoren, sofern sie in der Lebensmittelproduktion oder im Export tätig sein wollen, stellte Vizepremierminister Jorge Luis Tapia Fonseca laut einem Bericht des staatlichen Onlineportals Cubadebate bei einem Treffen mit Genossenschaftsmitgliedern und Landwirten klar: „Wirtschaftsakteure, unabhängig von ihrer Branche. Jeder, der Land bewirtschaften möchte, kann dies tun.“ Im Falle von landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (CPAs) liegt die Genehmigung der Landzuteilung bei der Mitgliederversammlung, da diese in Privatbesitz sind, erklärte er.
Tapia Fonseca unterstrich die Vereinfachung des Verfahrens zur Vergabe von Nutzungsrechten an Land als eine der wichtigsten Neuerungen. Unternehmen des Agrarsektors können nun in Abstimmung mit Genossenschaften Land direkt an Antragsteller vergeben. Dafür müssen Antragsteller ein Produktionsprojekt einreichen, aus dem die geplante Nutzung des Landes hervorgeht: Viehhaltung, Obstplantagen, Anbau verschiedener Feldfrüchte oder andere Zwecke. Die vorgesehene Bearbeitungszeit beträgt maximal 15 bis 20 Tage – das wäre eine enorme Beschleunigung bislang oft langwieriger Verfahren.
Eine weitere wichtige Änderung: Land, das zur Nutzung gewährt wurde, kann nun vererbt werden, auch das von Personen, die das Land verlassen haben. Personen, die Kuba verlassen haben, aber ihre Staatsbürgerschaft behalten haben, können ebenfalls Land zur Nutzung beantragen.
Anfang 2025 überließ die kubanische Regierung in einem Pilotprojekt erstmals einem ausländischen Unternehmen Ackerland zur eigenständigen Bewirtschaftung. Das vietnamesische Unternehmen Agri VMA erhielt in Los Palacios in der Provinz Pinar del Rio Flächen staatlicher Agrarbetriebe für den Reisanbau. In der zweiten Jahreshälfte 2025 wurden die Kooperationsprojekte ausgeweitet.
Kubas Landwirtschaft ist von der Wirtschaftskrise besonders schwer betroffen. Die Produktion vieler landwirtschaftlicher Produkte ist eingebrochen. Das Land führt gut vier Fünftel seiner Lebensmittel ein und gibt dafür jährlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar aus. Die Situation hat sich durch die von Washington verhängte Ölblockade und verschärfte US-Sanktionen gegen Schlüsselsektoren der kubanischen Wirtschaft, die zum Abbruch der Geschäftsbeziehungen zahlreicher im Land tätiger ausländischer Unternehmen geführt haben, weiter verschärft.
Als Reaktion darauf baut Kuba sein Wirtschaftsmodell radikal um. Die im vergangenen Monat vorgeschlagenen Wirtschaftsreformen umfassen unter anderem die Genehmigung für private Unternehmen, Kraftstoffe zu importieren und zu vermarkten, Außenhandel zu betreiben, externe Finanzierungen direkt zu verwalten und Bankkonten im Ausland zu eröffnen. Neben der vereinfachten Vergabe von Flächen zur landwirtschaftlichen Nutzung, hat die Regierung in Havanna Anfang Juli bereits die Verfahren bei der Genehmigung von Geschäften mit ausländischem Kapital in Kuba gestrafft.