Trotz des von den Vereinigten Staaten verhängten Öl-Embargos haben private Unternehmen in Kuba mit dem Import von Treibstoff auf die Insel begonnen. Das berichtete die spanische Nachrichtenagentur EFE mit Berufung auf Mitglieder des kubanischen Privatsektors, die anonym bleiben wollten.
Die Lieferungen seien „die Speerspitze einer Reihe von Einzelinitiativen von Unternehmen, die in dieser Richtung arbeiten“, schreibt EFE; die Lieferungen reichten jedoch bei weitem nicht aus, um den Energiebedarf der Insel zu decken und die Energiekrise des Landes zu überwinden.
Ende Januar drohte US-Präsident Donald Trump allen Staaten mit Strafzöllen, die Kuba mit Rohöl oder Ölderivaten beliefern. Seitdem hat mutmaßlich kein Öltanker mehr in Kuba angelegt. Die kubanische Regierung erließ als Reaktion einen umfassenden Plan zum Schutz grundlegender Dienstleistungen und zur Rationierung von Kraftstoff, um wichtige Sektoren der Wirtschaft und der Daseinsversorgung ohne Energieimporte am Laufen zu halten.
Laut dem EFE-Bericht hielt die kubanische Regierung in den vergangenen Tagen Treffen mit auf der Insel ansässigen ausländischen Unternehmern und lokalen Geschäftsleuten ab, um ihnen zu erklären, wie Treibstoffimporte umgesetzt werden könnten. Bei der Verkündung eines umfangreichen Maßnahmenpakets zur Öffnung der kubanischen Wirtschaft für ausländisches Kapital im Rahmen der Handelsmesse FIHAV im November hatte Kubas Außenhandelsminister Oscar Pérez-Oliva angekündigt, dass auf Kuba tätige ausländische Unternehmen und Joint Ventures die Möglichkeit erhielten, den für ihren Betrieb benötigten Kraftstoff direkt zu importieren. Diese Option scheint angesichts der Benzinkrise nun auch auf private kubanische Unternehmen ausgeweitet zu werden.
Die Importe der Unternehmen würden in Edelstahltanks mit Standardabmessungen und auf Frachtschiffen erfolgen, so EFE. Die Herkunftsländer der Kraftstoffe sind laut den von EFE befragten Quellen sowohl die USA als auch andere Länder der Region. Mehrere Teilnehmer der oben erwähnten Treffen mit Regierungsvertretern erklärten gegenüber der Nachrichtenagentur, dass der Import von Treibstofftanks in Frachtschiffen ähnlich wie der Import anderer Produkte aus dem Ausland ablaufen würde. D.h. die Einfuhr wird über eine staatliche Importagentur abgewickelt – in der Regel ein langwieriger bürokratischer Prozess.
Auch müssen aufgrund der Gefährlichkeit des Materials zusätzliche Sicherheitsanforderungen erfüllt werden. Am Bestimmungsort ist ein zertifizierter, sicherer Lagerort vonnöten. Andernfalls müsse die Lagerung des Treibstoffs in entsprechend ausgestatteten staatlichen Unternehmen erfolgen, heißt es. Die kubanischen Behörden betonten demnach, dass der von privaten Unternehmen importierte Kraftstoff ausschließlich für den Eigenverbrauch bestimmt sei; der Weiterverkauf sei nicht erlaubt.