Die spanischen Hotelketten Meliá, Iberostar und Barceló beenden ihre jahrzehntelange Präsenz auf dem kubanischen Tourismusmarkt. Meliá wird seine Geschäftstätigkeit in Kuba zum 24. Juli einstellen. „Diese Entscheidung ist eine Folge der erheblichen betrieblichen, rechtlichen, wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten, die das Umfeld dieses Landes seit Langem beeinträchtigen und die de facto und de jure eine Mindeststabilität seiner Aktivitäten unmöglich machen“, erklärte die Meliá-Gruppe mit Sitz in Palma de Mallorca am 21. Juli in einer Mitteilung an die spanische Börsenaufsicht CNMV, ohne die US-Sanktionen ausdrücklich zu nennen. Die Betriebseinstellung betrifft neben den verbliebenen Hotels die Nutzung autorisierter Marken, die Betreuung von Touristen und die lokale Lieferkette, die mit der Versorgung der Hotels verbunden ist. Iberostar und Barceló bestätigten am 21. Juli ebenfalls die Einstellung all ihrer Aktivitäten auf der Insel.
Anfang Juni hatten Meliá und Iberostar bereits einen Teilrückzug bekannt gegeben. Meliá erklärte, die Verwaltung und Vermarktung von 15 seiner 34 Hotels auf Kuba mit sofortiger Wirkung einzustellen und verwies dabei auf die sich verschlechternden rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Iberostar beendete im Juni die Vermarktung von zwölf seiner 18 Hotels auf Kuba.
Verschärfung der Sanktionen
Auslöser war eine am 1. Mai von US-Präsident Donald Trump unterzeichnete Präsidialorder, die das Sanktionsregime gegen die kubanische Regierung und auf der Insel tätige ausländische Unternehmen erweiterte. Die US-Regierung droht allen Personen und Unternehmen, die mit der kubanischen Regierung Geschäfte machen, mit dem vollständigen Einfrieren ihrer Vermögenswerte in den USA. Als erstes Unternehmen auf Grundlage der Exekutivanordnung sanktionierte Washington die kubanische Militärholding GAE S.A., zu der unter anderem die staatliche kubanische Tourismusgruppe Gaviota gehört, ein wichtiger Partner zahlreicher auf Kuba aktiver internationaler Hotelkonzerne.
Trotz des angekündigten Umbaus der kubanischen Wirtschaft mit weitreichenden Privatisierungen verschärfte die US-Regierung am 13. Juli mit neuen Sanktionen gegen das kubanische Tourismusministerium sowie mehrere Unternehmen aus den Bereichen Handel, Energie, Seeverkehr und Finanzen den Druck weiter und provozierte damit den vollständigen Rückzug von Meliá, Iberostar und Barceló, die zahlreiche Hotels in Partnerschaft mit dem kubanischen Tourismusministerium betrieben.
Schwerer Schlag für Kubas Tourismus
Der Rückzug der drei spanischen Hotelkonzerne ist von hoher symbolischer Bedeutung und stellt einen gewaltigen Rückschlag für Kubas Tourismussektor dar. Meliá war die erste spanische Hotelkette, die sich Anfang der 1990er Jahre in Kuba niederließ. Am 10. Mai 1990 eröffnete das Unternehmen, damals noch unter dem Namen Sol Meliá bekannt, das Hotel Sol Palmeras in Varadero. Damit war es das erste ausländische Unternehmen, das ein Joint Venture mit der kubanischen Regierung für die Verwaltung, das Marketing und das Management von Hotels einging – zu einer Zeit, als sich der Tourismus gerade erst als strategischer Sektor für die Wirtschaft des Landes etablierte und ausländischem Kapital öffnete.
Mit mehr als 14.000 Zimmern war Meliá bis zuletzt einer der größten ausländischen Hotelbetreiber auf der Insel. Die Hotels der Kette wurden über die portugiesische Tochtergesellschaft Ilha Bela - Gestão E Turismo betrieben. Kuba ist gemessen an der Anzahl der Hotels einer der größten Märkte von Meliá, kämpft aber seit Längerem mit einer sinkenden Nachfrage. Die portugiesische Tochtergesellschaft arbeite daran, einen geordneten Übergang zu gewährleisten, damit der Ausstieg die geringstmöglichen Auswirkungen auf Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden hat, so die Hotelkette.