Die kubanische Regierung plant eine weitreichende Reform des staatlich dominierten Finanz- und Bankensystems. Diese sieht den Eintritt privater und ausländischer Kapitalgeber vor sowie die Schaffung neuer Instrumente für den Devisenmarkt und für Rücküberweisungen von Auslandskubanern. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund, dass Kubas Finanzsystem zunehmend an Fähigkeit verloren hat, einen Großteil der wirtschaftlichen Transaktionen des Landes abzuwickeln.
„Das Bankensystem muss wesentliche Funktionen erfüllen, wie etwa die Kreditvergabe, die Bereitstellung von Zahlungs- und Inkassowegen, die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen entsprechend den Kundenbedürfnissen sowie die Verbesserung des Zugangs zu und der Qualität von Bankdienstleistungen“, erklärte die Präsidentin der kubanischen Zentralbank (BCC), Juana Lilia Delgado Portal, im kubanischen Fernsehen. Eines der Hauptziele der Reform sei es, „die Rolle der Banken in der Wirtschaft wiederherzustellen“.
Die Reform gliedert sich laut BCC in vier Hauptbereiche: Öffnung und Kapitalisierung; Kreditwesen, Sparen und Finanzierung; Innovation und neue Kanäle; sowie Devisenmarkt und Rücküberweisungen. Laut Delgado Portal besteht eines der Ziele darin, Mechanismen zu schaffen, die es ermöglichen, bestimmte Geldströme, die derzeit außerhalb der Banken abgewickelt werden, in das formelle Finanzsystem zu überführen.
Private Banken und Wechselstuben
Eine der geplanten Änderungen sieht vor, die Anzahl und Vielfalt der im Land tätigen Finanzinstitute zu erhöhen. Neben den bereits bestehenden Banken sollen neue Institute mit staatlichem, privatem oder ausländischem Kapital hinzukommen. Für die Aufnahme der Geschäftstätigkeit ist eine Lizenz der Zentralbank nötig.
Laut einem Bericht des staatlichen Onlineportals Cubadebate zielt die Reform zudem darauf ab, die Funktionsweise des kubanischen Devisenmarktes zu verändern, unter anderem durch die Einführung privater Wechselstuben. Die erste hat in Santa Clara bereits ihren Betrieb aufgenommen. Gerade erst hat die kubanische Regierung bereits den Handlungsspielraum des Privatsektors für Geschäfte in Devisen erweitert. Unternehmen können künftig ohne vorherige Genehmigung der Zentralbank Devisenkonten bei kubanischen Banken eröffnen und Bareinzahlungen entgegennehmen.
Die Zentralbank bereitet zudem neue Lösungen für Rücküberweisungen aus dem Ausland vor. Digitale Verfahren sollen Überweisungen aus dem Ausland erleichtern und helfen, Zeit und Kosten zu reduzieren. Zudem kündigten die Behörden eine digitale Plattform für Devisenauktionen an, ohne jedoch Einzelheiten zu nennen. Die neuen Instrumente sollen schrittweise im Rahmen von Pilotprojekten eingeführt werden, heißt es. Erklärtes Ziel ist es, einen größeren Teil der Devisentransaktionen über reguläre Finanzkanäle abzuwickeln.
Neue Banknoten
Als Teil der Reformen sind seit dem 16. September zwei neue Banknoten im Umlauf: ein Schein über 10.000 kubanische Pesos (CUP) mit dem Porträt von Haydée Santamaría, sowie ein Schein über 20.000 CUP mit dem Bildnis von Vilma Espín. Die neuen Banknoten ergänzen die seit April im Umlauf befindlichen 2.000- und 5.000 Peso-Scheine.
Die Öffnung des Finanzsystems ist Teil der Mitte Juni von der kubanischen Nationalversammlung verabschiedeten umfangreichsten Wirtschaftsreformen in Kuba seit Jahrzehnten. Der 176 Punkte umfassende Plan sieht eine Abkehr von der zentralen Planwirtschaft, eine stärkere Öffnung der staatlich gelenkten Wirtschaft und die Einführung marktwirtschaftlicher Mechanismen vor.