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Ölblockade: Kuba verarbeitet erstmals eigenes Schweröl zu Kraftstoff

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In der Raffinerie von Santiago de Cuba wurden aus heimischem Rohöl Naphtha, Heizöl und Diesel gewonnen.

Sonnenuntergang mit einem Kraftwerk
Freepik

Das Team der Ölraffinerie „Hermanos Díaz“ in Santiago de Cuba hat nach eigenen Angaben erstmals aus dem in Kuba geförderten Schweröl die Produkte Naphtha, Heizöl und Diesel gewonnen. Das meldeten staatliche kubanische Medien Ende April. Naphtha ist ein leichtes Lösungsmittel, das bei der Ölförderung eingesetzt wird. Das könnte helfen, die angespannte Treibstoffsituation etwas zu lindern.

 

Bislang galt: Das in Kuba geförderte Erdöl, ein sehr schwefelhaltiges Schweröl, kann zwar zur Stromgewinnung in den Wärmekraftwerken verwendet, aber nicht zu Benzin oder Diesel verarbeitet werden. Wie die Generaldirektorin der Raffinerie, Irene Barbado Lucio, gegenüber der Tageszeitung Granma erklärte, wurden Anlagen, die zuvor zur Raffination des importierten Rohöls genutzt wurden, nun für die Verarbeitung des heimischen Rohöl angepasst.

 

Angesichts des dringenden Bedarfs an Naphtha zur Fortsetzung der Ölförderung gelang es der Raffinerie in Santiago demnach, aus dem heimischen Rohöl – das sehr zähflüssig ist und viel Schwefel sowie andere Verunreinigungen enthält – „sowohl dieses Derivat [Naphtha, Anm.] als auch Heizöl und Diesel für das Land bereitzustellen“, so Barbado Lucio.

 

Umwandlung mittels Thermokonversion

 

Die vom Zentrum für Erdölforschung Ceinpet (Centro de Investigaciones del Petróleo) entwickelte Technologie zur Nutzung heimischen Rohöls basiert auf Thermokonversion. Die Thermokonversion ist ein Verfahren, das durch kontrollierte Erhitzung den Aufschluss einiger der komplexesten Verbindungen des Rohöls und somit die Umwandlung von schwerem und extra-schwerem Rohöl in leichtere Kraftstoffe ermöglicht.

 

Laut dem Vizedirektor des staatlichen Ölkonzerns Cupet, Irenaldo Pérez Cardoso, zielt die Technologie im Wesentlichen darauf ab, die Viskosität des Rohöls zu senken, ohne dass hierfür eine Beimischung von Naphtha erforderlich ist. Aufgrund der jüngst verhängten Ölblockade durch die USA ist das Produkt auf Kuba kaum mehr verfügbar. Die nun in einem ersten Testlauf gewonnene Naphtha-Menge reicht für 15 Tage Förderbetrieb in den Ölfeldern zwischen Havanna und Varadero.

 

Pilotanlage in Sancti Spíritus

 

Eine Pilotanlage für Thermokonversion soll in der Raffinerie „Sergio Soto“ in Cabaiguán in der Provinz Sancti Spíritus errichtet werden, so Pérez Cardoso. Dort seien benötigte Ressourcen wie Wasser, Dampf und Strom sowie entsprechendes Fachpersonal bereits vorhanden. In einer zweiten Phase soll der Schwefelgehalt des kubanischen Rohöls mithilfe von einheimischen Lateriten katalytisch gesenkt werden.

 

Experten schätzen, dass Kubas Rohölbedarf bei rund 100.000 Barrel Rohöl pro Tag (bpd) liegt. Aus den eigenen Ressourcen kann das Land knapp 40 Prozent seines Bedarfs decken. Nach der Entführung von Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro Anfang Januar durch das US-Militär hat Washington alle venezolanischen Ölexporte nach Kuba unterbunden; zudem drohte US-Präsident Donald Trump allen Ländern mit Zusatzzöllen, die die Insel weiter mit Rohöl und Ölderivaten beliefern. Venezuela war bislang für den größten Teil der kubanischen Ölimporte verantwortlich; der zweitwichtigste Lieferant Mexiko stellte nach den Drohungen aus dem Weißen Haus seine Lieferungen ebenfalls ein. Bis auf einen russischen Öltanker Ende März hat seit Wochen kein Rohöl mehr die Insel erreicht. Tanker mit Ziel Kuba werden von der US-Marine aufgehalten und umgeleitet. Kleinere Mengen Diesel werden von Kubas Privatsektor importiert – sind aber kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

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