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Landwirtschaft: Ausländisches Unternehmen erhält Ackerland

07.02.2025

Bild von miakihiro0 auf Pixabay

Kubas Agrarsektor ist für ausländische Investitionen offen. Doch in der Praxis hakt es. Ein beispielloses Pilotprojekt könnte bei Erfolg zum Vorbild werden.

Die kubanische Regierung hat zum ersten Mal einem ausländischen Unternehmen Ackerland zur eigenständigen Bewirtschaftung überlassen. Ein vietnamesisches Unternehmen soll auf Flächen des staatlichen Saatgutbetriebs Empresa Agroindustrial de Granos in Los Palacios im Südosten der Provinz Pinar del Río Reis anbauen. Das berichtet die kubanische Tageszeitung Granma.

Das Land wird dem vietnamesischen Unternehmen vorerst für drei Jahre überlassen. Um welches Unternehmen es sich handelt, bleibt offen.„Die Übergabe von Land ist etwas noch nie Dagewesenes in diesem Land“, sagt Jorge Félix Chamizo, stellvertretender Direktor des Agrarbetriebs, gegenüber Granma. Ziel sei es, in der ersten Jahreshälfte 1.000 Hektar Reis zu pflanzen. Später soll die Fläche auf 5.000 Hektar ausgeweitet werden.

Förderung ausländischer Investitionen

Begleitet wird das Pilotprojekt von einer Reihe von Maßnahmen zur Förderung ausländischer Investitionen. „Eine davon ist, dass das vietnamesische Unternehmen die benötigten kubanischen Arbeitskräfte direkt einstellen wird”, sagt Chamizo. In der Regel läuft das in Kuba über eine staatliche Beschäftigungsagentur. Diese Praxis wird seit Jahren von ausländischer Investoren auf der Insel kritisiert. Darüber hinaus wird das vietnamesische Unternehmen seine eigenen Fachkräfte mitbringen, sowie Düngemittel, Herbizide, Pestizide und andere Ressourcen bereitstellen. Die kubanische Seite stellt die benötigten Maschinen zur Verfügung.

Verwendet werden in Vietnam gezüchtete hybride Reissorten. Dadurch werde der Bedarf an Saatgut von 150 Kilogramm pro Hektar auf nur 30 reduziert, erklärt Chamizo. Damit sollen im ersten Jahr Erträge von sieben Tonnen pro Hektar erzielt werden; ab dem zweiten Jahr werden acht Tonnen angepeilt. Dies wäre ein Vielfaches der Erträge von 1,7 Tonnen pro Hektar, die die Kubaner auf ihren Flächen erzielen. Chamizo verweist auf die komplexe wirtschaftliche Situation Kubas. In Los Palacios sei seit vier Jahren kein Grunddünger mehr verwendet worden, die Böden sind entsprechend ausgelaugt.

Unterstützung aus Vietnam

Mit vietnamesischer Hilfe soll der Reisanbau auf der Insel nachhaltig angekurbelt werden. Laut Daten der nationalen Statistikbehörde ONEI ist Kubas Reisproduktion in den vergangenen sechs Jahren um 90 Prozent eingebrochen. Reis ist eines der Grundnahrungsmittel Kubas. Um den Bedarf im Land zu decken, mussten die Importe ausgeweitet werden.

Angesichts der schweren Versorgungskrise versucht Kubas Regierung seit einigen Jahren, mit verschiedenen Maßnahmen in der Landwirtschaft, die Lebensmittelproduktion allgemein zu steigern und die Importabhängigkeit zu verringern. Das Land führt gut vier Fünftel seiner Lebensmittel ein und gibt dafür jährlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar aus. Im April 2021 wurde eine Reihe von landwirtschaftlichen Reformen beschlossen, in deren Rahmen Kubas Bauern alles, was sie über die staatlichen Lieferquoten hinaus produzieren, frei verkaufen dürfen. Anfang August 2021 hob die kubanische Regierung die Preisobergrenzen für landwirtschaftliche Erzeugnisse auf.

Ende Februar 2022 präsentierte sie einen Plan zur Ernährungssicherheit. Der ist mittlerweile in Kraft getreten. Im November schließlich hob die Regierung Havanna vorübergehend die Einfuhrzölle für verschiedene landwirtschaftliche Produkte auf, darunter Düngemittel, Futtermittel, Tierarzneien und Pestizide. Auch dies mit dem Ziel, die Nahrungsmittelproduktion zu steigern.

Chamizo zeigte sich gegenüber Granma davon überzeugt, dass der Erfolg des Pilotprojektes wichtig ist. Es könnte zu einem Vorbild für andere Bereiche der kubanischen Landwirtschaft werden und mehr ausländische Investitionen in den Agrarsektor anlocken.

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