Branchen & Märkte

Kuba setzt auf Investitionen in Wertschöpfungsketten in der Landwirtschaft

10.03.2025

Um die Abhängigkeit von Importen zu verringern, präsentiert Kubas Regierung einen Plan für ausländische Investitionen in Reis, Getreide, Obst und Zuckerrohr.

Die kubanische Regierung hat eine Reihe strategischer Investitionsmöglichkeiten in vorrangigen Wertschöpfungsketten wie Reis, Getreide, Obst und Zuckerrohr identifiziert, die darauf abzielen, die Produktion erheblich zu steigern. Das geht aus einer Ende Februar veröffentlichten Mitteilung des Ministeriums für Außenhandel und Auslandsinvestitionen (MINCEX)  hervor.

Mit einer geplanten Investition von mehr als einer Milliarde US-Dollar (mehr als 24 Millionen kubanische Pesos) stellte Kuba auf dem Investitionsforum „Mano de la Mano“ der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) in Rom einen Plan zur tiefgreifenden Umgestaltung des Agrar- und Ernährungssystems der Insel vor. Dieser ist auf den nationalen Plan für wirtschaftliche und soziale Entwicklung bis 2030 abgestimmt, heißt es. Das Programm zielt demnach darauf ab, die Abhängigkeit von Importen zu verringern und eine widerstandsfähige Landwirtschaft zu fördern, die sich an veränderte klimatische Bedingungen anpassen kann.

Das Außenhandelsministerium betonte, dass Kuba ein attraktives Umfeld für Investoren biete und verwies in diesem Zusammenhang auf reichlich verfügbare Flächen, eine produktive, industrielle und hydraulische  Infrastruktur, qualifizierte Arbeitskräfte und einen stabilen Rechtsrahmen. Überdies ermögliche die besondere geografische Lage des Landes einen einfachen Zugang zu Exportmärkten in der Region und darüber hinaus. Die Sonderentwicklungszone Mariel (ZEDM), die nach den Vorstellungen der Regierung zur Logistikdrehscheibe in der Karibik werden soll, eröffne laut MINCEX zudem neue Möglichkeiten zur Diversifizierung von Investitionen in Schlüsselsektoren, die landwirtschaftliche Initiativen mit dem internationalen Handel verbinden.

Schlüsselsektoren im Agrarbereich sollen wachsen

Im Reissektor sieht das Programm die Ausweitung der Anbaufläche um 68.000 Hektar vor und eine Steigerung der Erträge um 276.000 Tonnen pro Jahr vor. Dadurch würden 86 Prozent des nationalen Bedarfs gedeckt und ein Teil der jährlichen Einfuhren ersetzt, die sich derzeit auf 175 Millionen US-Dollar belaufen. Gerade erst hat die kubanische Regierung zum ersten Mal einem ausländischen Unternehmen Ackerland zur eigenständigen Bewirtschaftung überlassen. Ein vietnamesisches Unternehmen soll auf Flächen eines staatlichen Saatgutbetriebs in der Provinz Pinar del Río Reis anbauen.

Auch der Getreideanbau, vor allem Mais und Bohnen, soll von dem Investitionsplan profitieren und 260.000 zusätzliche Tonnen zur Versorgung des heimischen Marktes produzieren. Im Obstsektor sollen die bestehende landwirtschaftliche Infrastruktur und Exportmöglichkeiten für frisches und verarbeitetes Obst und andere Produkte mit hoher internationaler Nachfrage genutzt werden. „Mit einer geschätzten Amortisationszeit von sieben Jahren und einem Nettokapitalwert (Valor Presente Neto) von 287 Millionen US-Dollar stellt dieser Sektor eine hervorragende Gelegenheit für Investoren dar, die sich für die kubanische Agrarwirtschaft interessieren, um zusätzliches Einkommen zu generieren und die Chancen auf dem Inlandsmarkt, im Tourismussektor und im Außenhandel zu nutzen“, schreibt MINCEX. Ein weiterer Schwerpunktbereich ist demnach die Wertschöpfungskette des Zuckerrohrs, insbesondere in der Provinz Guantánamo. Das Projekt sieht in den ersten drei Betriebsjahren die Produktion von 14.000 Tonnen Zucker für den heimischen Markt vor und gewährleistet laut Außenhandelsministerium einen Devisenexport von bis zu 15 Millionen US-Dollar pro Jahr.

Maßnahmen für die Landwirtschaft

Laut MINCEX haben die FAO und die kubanische Regierung einen Investitionsplan aufgestellt, „der technologische Modernisierung, Nachhaltigkeit und soziale Entwicklung miteinander verbindet und die kubanische Agrarindustrie als Motor des Wirtschaftswachstums und als Garant für Ernährungssicherheit festigen soll“. Bereits im vergangenen Jahr warb Kubas Präsident Miguel Díaz-Canel für ausländische Investitionen Kubas Landwirtschaft.

Angesichts der schweren Versorgungskrise versucht Kubas Regierung seit einigen Jahren, mit verschiedenen Maßnahmen in der Landwirtschaft, die Lebensmittelproduktion zu steigern und die Importabhängigkeit zu verringern. Das Land führt gut vier Fünftel seiner Lebensmittel ein und gibt dafür jährlich mehr als zwei Milliarden US-Dollar aus. Im April 2021 wurde eine Reihe von landwirtschaftlichen Reformen beschlossen, in deren Rahmen Kubas Bauern alles, was sie über die staatlichen Lieferquoten hinaus produzieren, frei verkaufen dürfen. Anfang August 2021 hob die kubanische Regierung die Preisobergrenzen für landwirtschaftliche Erzeugnisse auf. Ende Februar 2022 präsentierte sie einen Plan zur Ernährungssicherheit, der mittlerweile in Kraft getreten ist. Im November schließlich hob die Regierung vorübergehend die Einfuhrzölle für verschiedene landwirtschaftliche Produkte auf, darunter Düngemittel, Futtermittel, Tierarzneien und Pestizide.

 

 

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